Eintauchen in eine andere Welt – der Nationalpark ‚Picos de Europa’

Es ist vollbracht. Jeder Muskel am Körper schmerzt. Der Nacken ist mittlerweile so steif, dass sich der Kopf kaum noch drehen lässt. Wir können somit voller Stolz verkündigen das wir ’durchgesurft’ sind und dringend ein bisschen Abwechslung benötigen. Zum Glück bietet die Gegend um Santander mit seiner Berglandschaft und dem Nationalpark ’Picos de Europa’ dazu ideale Möglichkeiten.

Nach lediglich einer guten Stunde Autofahrt kommen wir dort an und tauchen ein in einen völligen Kontrast zum bisherigen Strandleben. Diese Möglichkeit, binnen kürzester Zeit zwischen zwei Welten wählen zu können, macht Nordspanien für uns so attraktiv. Zum Einen der wilde Atlantik mit seinen perfekten Surfbedingungen und zum Anderen die beindruckende Felslandschaft mit Bergen von über 2.600m Höhe.

La Santa Cueva de Convadonga – der besonders heilige Ort

Den Anfang machen wir in Covadonga. Heilige Orte, historische Kirchen und Kapellen passiert und besichtigt man ja doch irgendwie zu Hauf auf seinen Reisen. Manche davon sind mehr, manche mal weniger spektakulär. Und obwohl la Santa de Covadonga die vielleicht kleinste Kirche ist, die wir jemals besichtigt haben (es ist vielmehr nur ein Altarraum), zählt dieser Ort mit Sicherheit zu einem der besondersten. Gebaut in einen Felsvorsprung und untermalt von einem wunderschönen Wasserfall, der seinen Weg unterhalb des Altars aus dem Felsen findet. Eigentlich! Denn obwohl es in den letzten Tagen des Öfteren geregnet hat, hat es zu dieser Jahreszeit nicht genügend Wasser. So treffen wir heute lediglich auf ein kleines Rinnsal welches nur erahnen lässt, wie schön man diese Stätte vorfinden könnte. Trotzdem, einen Besuch finden wir, ist la Santa de Covadonga so oder so auf jeden Fall wert.

 

Kapelle in Bergvorsprung

Die heißen Quellen von La Hermida

Als nächster Stopp steht La Hermida auf dem Programm. Hier soll es heiße Quellen, geben die bereits seit dem 17. Jahrhundert zu heilenden Zwecken benutzt wurden. Im spanischen Bürgerkrieg völlig zerstört wurden sie zwischen 2003 – 2006 wieder neu errichtet und zu einer Touristenattraktion umgebaut. So kostet der Eintritt zu den Quellen dann auch schlappe €39,- für 80 Minuten. Obwohl unsere Muskelkater geplagten Körper ein wenig Wärme und Entspannung gut gebrauchen könnten, ist es für einen Besuch bereits etwas zu spät am heutigen Tag. Zum Glück hatten wir aber zuvor den Tipp bekommen, dass es auch noch eine weitere Quelle gebe, welche sich die Einheimischen mit simplen Mitteln selbst zu Ihrem eigenen Badeort hergerichtet hätten. Wo dieser Spot genau liegt verraten wir aus Respekt an dieser Stelle besser einmal nicht.

Wir lassen es uns aber nicht nehmen zumindest kurz einmal die Hosen hochzukrempeln um wenigstens für eine Viertelstunde den Waden etwas Entspannung zu gönnen. Ist wirklich ein komisches Gefühl wenn die Füße im eiskalten Gebirgswasser auf dem Grund stehen, es 20cm weiter oben an den Waden jedoch heißes Wasser hat. So entsteht eine wirklich gute und angenehme Wohlfühl-Mischung. Hätten wir unsere Badesachen dabei würden wir es uns hier glatt gemütlich machen. So müssen wir kurz später aber weiter ziehen zumal unser kleiner Mann in seinem Tragesystem nichts von den heißen Quellen hat.

 

Camper in nordspanischen Bergen
Frau mit Kind im Bergfluss
Camper auf Bergstraße
Alter Mann geht durch Altstadt von Potes
Alte Brücke
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Potes – das Zentrum der Picos de Europa

Wir fahren weiter hinauf in Richtung Potes. Die N-621 schlängelt sich dabei entlang an Füßen von steilen und massiven Bergen und dem wunderschönen Fluss. Allein die Fahrt durch diese Landschaft ist eine Attraktion für sich und wirklich beeindruckend. Nach einer halben Stunde erreichen wir unser Ziel. Schnell wird ersichtlich warum man Potes auch ’das Zentrum’ der Picos de Europa nennt. Die zahlreichen Souvenirläden bieten viele Spezialitäten der Region (Liébana) sowie jede Menge ’Platzhalterware’ für Regale der zahlreichen Omnibus-Touristen. Die vielen Bars und Restaurants lassen erahnen wie es hier in der Hochsaison zugeht. Heute, in der Nebensaison, ist es wiederum ganz sympathisch und nett. Wir schnappen uns ein Eis auf die Hand und schlendern ein wenig durch die Altstadt mit ihren traditionellen Steinhäusern entlang des Flusses ‚Rio Quiviesa’ und genießen den sonnigen Nachmittag.

Der Abstand zum Atlantik tut uns sehr gut, daher beschließen wir kurzerhand die Nacht hier in den Bergen zu verbringen. Wir befragen das Internet und bekommen den Campingplatz ‚La Viorna’ empfohlen. In der Tat hat uns das Netz nicht zu viel versprochen. Der Platz ist super organisiert und hat für spanische Verhältnisse erstklassige Einrichtungen. Dazu bekommen wir einen traumhaften Blick von unserer Bullitür heraus auf die Bergkette der Picos. Bei einem letzten Getränk vor der Seitentür unter kristallklarem Himmel und dem Klimpern einiger Glöckchen der Schafe in der Nachbarschaft beschließen wir den Tag. Irgendwie komisch denken wir uns, denn bei der Anfahrt haben wir noch darüber gesprochen dass uns beiden Nordlichtern in den Bergen die Weite fehlt und man sich immer ein Stückchen eingeengt fühlt. Hier und jetzt fühlen wir uns total frei und der Natur so nah wie kaum zuvor.

Alles in allem waren die zwei Tage in den nordspanischen Bergen wirklich sehr schön und eine gelungene Abwechslung zum doch oftmals ‚einseitigen’ Strandleben eines Surfers. Hätten wir es vorher gewusst wären wir besser ausgerüstet angereist (Wanderschuhe, Kraxe für den Kleinen, etc.) und wären sicherlich einige Tage länger hier geblieben. Mit seinen zahlreichen Wanderrouten, idealen Bedingungen zum Klettern, Kanu- und Canyoning-Touren bietet diese Gegend wirklich sehr viel Angebot. Der Outdoor interessierte Tourist wird sich hier mit Sicherheit pudelwohl fühlen.

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