Surfen zwischen Bergen und Meer – Auszeit in San Vicente de la Barquera

Ganze 12 Tage sind wir nun bereits in Nordspanien. Genau genommen in San Vicente de la Barquera, einem kleinen verschlafenen Städtchen ca. 50km westlich von Santander. Der Grund dafür: Es gefällt uns einfach zu gut hier. Nach der schönen, aber auch aufwendigen Tour durch Süd-West England mit dem typisch britischen Wetter hatten wir uns nichts mehr gewünscht als irgendwo an einem schönen Ort mit spätsommerlichen Temperaturen anzukommen und abzuschalten. Dieser Ort ist hier.

 

Blick auf San Vicente
Sonnenuntergang vor dem Camper
Playa de Meran
Camper auf Küstenstraße Bucht von San Vicente
Sonnenuntergang mit Blick auf San Vicente
Surfer in Wellen
Die Bucht von San Vicente
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Bei der Anfahrt über den Ort Gerra auf der wunderschönen Küstenstraße CA-236 kommt direkt das erste ’wow’ über die Lippen. Die Landschaft und die Bucht sehen von oben beeindruckend aus. Saftige grüne Wiesen bis zur Klippe, auch die Surfbedingungen sind vom Allerfeinsten. Schnell ausnutzen und rein ins Wasser. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten ist, dass bis heute eigentlich kein einziger Tag verging an dem wir nicht irgendetwas zwischen hüft- bis kopfhohen Wellen hatten, und diese sogar meistens schön sauber mit leichter Offshore Brise. Ein wahrer Traum – und auch ein Grund, warum der Laptop für viele Tage einfach aus und in der Tasche blieb. Gleichzeitig eine Herausforderung für den Körper, der eigentlich nicht mehr als 1 Mal die Woche Sport gewohnt ist momentan. Aber das sollte sich ja eh ändern.

Die Stadt San Vicente liegt malerisch gelegen, eingebettet zwischen dem Atlantik zur einen und der Berglandschaft, den Picos de Europa, zur anderen Seite. Wir beziehen Stellung auf dem Campingplatz El Rosal, terrassenförmig gelegen auf einer kleinen Halbinsel, und haben Glück. Wir bekommen den vielleicht besten Spot des Platzes, leicht erhöht, unter Pinien mit traumhaftem Ausblick über Fluss und Hafenbecken, Stadt und Berge. Der Surfstrand Playa de Merón liegt nur 300m zu unserer rechten Seite. Der perfekte Ort also um ein paar Tage länger zu bleiben. Das sagen wir uns nun bereits seit unserer Ankunft, jeden Tag auf’s Neue.

 

Kleiner Wohnwagen von HomerEin weiterer Grund ist die nette Gesellschaft auf dem Platz. Neben uns campen Saskia und Johannes aus Köln. Sie sind mit Ihrem Sohn, der einen Tag vor unserem kleinen Mann geboren wurde, ebenfalls gerade auf Elternzeittour. Eigentlich wollten sie auch in einem Camper auf die Straße, aber dann entscheiden sie sich zum Kauf eines 74er Hymer Eriba Pan Family Wohnwagen. Die Betonung liegt bei der Größe auf dem Wort ‚Family’ 😉 . Immerhin, ein 1,80m breites Bett hat er. Viel mehr braucht man eigentlich ja auch nicht. Britta und ich müssen gestehen, dass dieses Zuhause das wahrscheinlich kleinste aber wohl auch stilvollste auf dem Platz hier ist. Lediglich die roten Gardinen könnten besonders abends bei brennendem Licht manchmal auf ein etwas anderes Etablissement schließen lassen 😉 Aber original ist halt original. Gekauft haben sie ihn über Kleinanzeigen von einem holländischen Rentner. 43 Jahre gehegt und gepflegt, so wie das früher eben so üblich war.

Den beiden geht es ähnlich, sie kamen für ein paar Tage und bleiben nun fast die ganze Zeit hier. Nicht nur für uns ein Glücksgriff solch nette Gesellschaft zu haben, auch die beiden kleinen Männer werden direkt Kumpels und handwerken jeden Tag wieder gemeinsam an Wohnwagendeichsel, Klapprad und Pinienzweigen herum – einfach zu gut um hier wegzufahren.

 

Eins muss zu San Vicente gesagt sein. Die Stadt selbst ist nett, hat aber kulturell sicherlich nicht die allergrößten Highlights zu bieten. Wir beschließen also einen kleinen Tagestrip ins 10km entfernte Comillas zu machen. Dort steht das ’El Capricio de Gaudi’. Ein Sommerhaus und eins von drei Bauwerken, welches der weltberühmte Architekt Gaudi für einen vermögenden Geschäftsmann außerhalb Kataloniens hat bauen lassen. Das Haus ist von außen komplett mit Sonnenblumenfliesen besetzt und spiegelt auf seine Art die Genialität dieses wahnsinnigen Künstlers wieder. Von innen wiederum ist es eher unspektakulär. Ob sich die 5 Euro Eintritt hierfür lohnen, sollte jeder selbst entscheiden. Wir sagen kann man machen, muss man aber auch nicht unbedingt. Neben dem El Capricio de Gaudi gibt es in Comillas noch jede Menge andere Sehenswürdigkeiten, das wussten wir vorher gar nicht.

 

Sehenswürdigkeiten in Nordspanien

 

In der Hochsaison werden hier reihenweise Touribusse durch die Stadt gescheucht, heute ist es zum Glück ruhig. Eine eher zufällige Entdeckung machen wir, als wir beim ’El Cementerio de Comillas’ stoppen und hinein gehen. Der alte Friedhof ist Teil der ’Routa Modernista’, die sich durch den gesamten Ort zieht und auf der sämtliche Sehenswürdigkeiten zu entdecken sind. Er wird überblickt vom Engel, den man schon von weitem bei der Anfahrt erkennt. Mit seinen gothischen Kirchenruinen ist dieser Ort wirklich einmal anders als all die Standard-Sehenswürdigkeiten und kostet zudem keinen Eintritt. Wer also einmal in der Stadt ist sollte hier einen Stopp einplanen.

Freunde beim Abendessen am Strand

Zurück in San Vicente hat sich Besuch angekündigt. Mein Kumpel Zingel und seine Freundin Karo sind mit Ihrem neuen Camper, einem selbstausgebauten Peugeot Boxer, auf Jungfernfahrt durch Europa. Zingel ist Inhaber der Agentur Island Collective und hat zusätzlich mit seinem Geschäftspartner Flo die Saltwater Surf & Skate Shops in Hamburg und Heiligenhafen eröffnet. Das Konzept dieser Surfshops unterscheidet sich von all dem „Quicksilver & Billabong-Einheitsbrei“. Statt auf große Marken zu setzen hat man es sich zur Aufgabe gemacht, kleinen Nachwuchslabeln aus der Boardsport-Szene ein Zuhause zu geben. Wie ich finde ein wirkliches gutes und unterstützenswertes Konzept!

Dass eine Surfsession mit Zingel auf dem Tagesprogramm steht ist also außer Frage. Nachdem wir die Ebbe mit ein paar Kaltgetränken auf unseren Klappstühlen in den Dünen überbrückt haben, serviert uns der Atlantik eine Sahnesession. Wir beide bekommen das Grinsen nicht aus dem Gesicht, als wir uns gute zweieinhalb Stunden später einen High Five an Land geben. Doch damit nicht genug. Britta und Karo waren fleißig und so beenden wir den Tag mit Antipasti und einem Sundowner auf der Düne. Würde man mich bitten, einmal meinen perfekten Tag zu umschreiben, so käme dieser dem schon sehr nahe.

So wie hier in San Vicente haben wir es uns wirklich vorgestellt. Keine Hektik, kein Zeitdruck, gutes Wetter, toller Stellplatz, perfekte Wellen und nette Leute um einen herum. Wenn es nach uns ginge, könnte es noch lange so weiter gehen. Wir werden mal sehen was kommt…

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